Erfolgsfaktorenportfolio

Kurzbeschreibung

Mit Hilfe des Erfolgsfaktorenportfolios werden die im Wettbewerb entscheidenden Faktoren ermittelt sowie die Stärken und Schwächen gegenüber Wettbewerbern aufgezeigt. Erfolgsfaktoren können produktspezifisch sowie branchenspezifisch sein und dienen der Erschließung von Erfolgspotentialen.

Das Erfolgsfaktoren-Portfolio dient zur Ermittlung von Stärken und Schwächen anhand von Erfolgsfaktoren. Erfolgsfaktoren sind Faktoren, die den Erfolg eines Geschäftes beeinflussen. Häufig werden sie auch als kaufentscheidende Faktoren bezeichnet. Die Analyse dieser Faktoren führt in der Regel zu interessanten Erkenntnissen und kann mittels eines Erfolgsfaktorenportfolios visualisiert werden.

Es werden die für den jeweiligen Geschäftsbereich relevanten Faktoren zunächst in ihrer Bedeutung für den Unternehmenserfolg beschrieben.

Die Erfolgsfaktoren können produktspezifisch und branchenspezifisch sein. Beispiele für produktspezifische Erfolgsfaktoren von Pumpen sind Betriebskosten, Bedienungsfreundlichkeit, Leckagefreiheit, Störungsfrüherkennung etc. Beispiele für branchenspezifische Erfolgsfaktoren sind im Fall der deutschen Pumpenindustrie Logistikleistung, Service, Image, Auslandspräsenz etc.

Anschließend folgt die Beurteilung der eigenen Position im Vergleich zu Wettbewerbern. Die Abb. 1 zeigt beispielhaft ein derartiges Portfolio sowie den prinzipiellen Aufbau des entsprechenden Fragebogens. Mithilfe des Fragebogens kann die Bedeutung der Erfolgsfaktoren und die eigene  Position des Unternehmens im Wettbewerb ermittelt werden.

Die Bewertung erfolgt auf möglichst breiter Basis sowohl im Unternehmen durch die Befragung durch möglichst viele Mitarbeiter als auch aus externer Seite durch die Kunden, Lieferanten etc. Einen bedeutenden Mehrwert liefert die zusätzliche Bewertung durch Lieferanten und Kunden, so dass auch eine externe Sicht dargestellt wird.

Folgende Arbeitsanweisungen zur Durchführung lassen sich zusammenfassen:

  • Erfolgsfaktoren je Hauptgeschäftsfeld auswählen (branchen- & produktspezifisch - extern / intern)
  • Fragebögen mit Vorlagen zur Ermittlung der Erfolgsfaktoren erstellen
  • Externen Verteiler erstellen
  • Interne und externe Befragung durchführen
  • Portfolios mit Vorlage erstellen
  • Auswertung der Daten mit Hilfe eines Tabellenkalkulationsprogramms
  • Eintragen der Ergebnisse in ein Erfolgsfaktorenportfolio
  • Ergebnisse extern/intern gegenüberstellen
  • Portfolios analysieren (Erkenntnisse/Ziele/ Maßnahmen/offene Punkte)

Abb. 1: Erfolgsfaktoren-Portfolio, branchenspezifische Erfolgsfaktoren sowie der entsprechende Fragebogen

Die Einschätzung der Bedeutung des jeweiligen Erfolgsfaktors in Verbindung mit der derzeitigen Position des Unternehmens liefert vor allem Informationen darüber, ob das Unternehmen auf die richtigen Faktoren setzt.

Eine andere Form der Analyse von Erfolgsfaktoren ist das sog. Spinnendiagramm. In diesem Beispiel sind Kunden von sog. aktiven Komponenten der elektrischen Verbindungstechnik nach der Bedeutung vorgegebener Erfolgsfaktoren gefragt worden.

Abb. 2: Bedeutung und Erfüllungsgrad von Erfolgsfaktoren aus Kundensicht und interner Sicht (Geschäftmit aktiven Komponenten der elektrischen Verbindungstechnik)

In Ergänzung zur Einschätzung der Kunden sind in Abb. 3 je Erfolgsfaktor die Bedeutung aus interner Sicht sowie der Erfüllungsgrad eingetragen. Im Prinzip kann zur Darstellung dieses Sachverhalts auch das Erfolgsfaktoren-Portfolio herangezogen werden (Abb. 2). Allerdings entspricht hier das Kriterium Position des Unternehmens (waagerechte Achse) nicht ganz dem Erfüllungsgrad, der ausdrückt, ob die mit den Erfolgsfaktoren verbundenen Kundenerwartungen uneingeschränkt erfüllt werden. In Abb. 3 beziehen sich die beiden Sichten (Kundensicht und interne Sicht) nur auf die Bedeutung eines Erfolgsfaktors. Sicher wäre es auch aufschlussreich, die Kunden zu fragen, wie sie die Position ihres Lieferanten zu den übrigen Anbietern sehen.

Abb. 3: Erfolgsfaktoren-Portfolio (Geschäft mit aktiven Komponenten der elektrischen Verbindungstechnik)

Die Vorteile des Erfolgsfaktoren-Portfolios sind, dass:

  • eine übersichtliche, zweidimensionale Darstellung der Stärken und Schwächen des Betrachtungsfeldes erstellt wird,
  • die Gegenüberstellung von interner und externer Bewertung hilft die "firmeninterne Brille abzusetzen",
  • durch geeignete Auswahl der Erfolgsfaktoren operatives und strategisches Wissen miteinander verbunden werden kann,
  • Ergebnisse der Methode werden für weitere Analysen – bspw. Zukunftsbetrachtungen – weiter verwendet und
  • je häufiger die Methode Erfolgsfaktorenportfolio im Unternehmen angewendet wird, umso weniger Aufwand ist mit der Methode verbunden (Rückgriff auf eine Vielzahl von Vorarbeiten und Erfahrungen).

 

Die Nachteile des Erfolgsfaktoren-Portfolios sind:

  • der Aufwand, der mit der Datenerfassung und Auswertung verbunden ist,
  • die teilweise subjektive Sichtweise und
  • eine eventuell geringe Rückläuferquote bei der Befragung.
  • Gausemeier, J; Ebbesmeyer, P.; Kallmeyer, F.: Produktinnovation. Carl Hanser Verlag, München, 2001
  • Gausemeier, J.; Plass, C.: Zukunftsorientierte Unternehmensgestaltung, 2., überarbeitete Auflage, Hanser Verlag, 2014

Eingangsinformationen

  • Hauptgeschäftsfelder (HGF’s)
  • Ggf. Kundenadressen bei externer Befragung
  • Gesamtliste mit Erfolgsfaktoren

Ausgangsinformationen

  • HGF spezifizierende Erfolgsfaktoren-Kataloge
  • HGF spezifizierende Portfolios
  • Vergleiche intern/extern
  • Kompetenzen, Stärken/Schwächen
  • Hinweise auf Produktanforderungen
  • Erkenntnisse, Ziele, Maßnahmen, offene Punkte
  • Heinz Nixdorf Institut,
    Prof. Dr.-Ing. Jürgen Gausemeier
    (http://www.hni.uni-paderborn.de/spe)
  • UNITY AG
    (
    http://www.unity.de)