Delphie-Studie

Kurzbeschreibung

Die Delphi-Methode wird zur Auswahl von Strategien, zur Identifizierung von Zielen sowie allgemein zur Lösung von Problemen und zur Entscheidungsfindung eingesetzt. Mittels einem mehrstufigen Befragungsprozess, welcher unter Experten verschiedener Fachbereiche schriftlich durchgeführt wird, wird das Wissen einer Gruppe gesammelt, um daraus abgeleitet heuristische Entscheidungen zu treffen.

Ziel der Delphi-Methode ist es, das Wissen einer Gruppe zu sammeln, zu filtrieren und daraus abgeleitet heuristische Entscheidungen zu treffen. Gegenstand der Befragung sind z.B. die Beurteilung von Entwicklungstrends oder die Einschätzung möglicher zukünftiger Ereignisse.

Die Delphi-Methode kann auf die Anwendungsschwerpunkte Ideenfindung, die im Bereich der Kreativitätstechniken einzuordnen ist, oder der Vorausschau angewendet werden. Hier wird beispielhaft speziell auf die Vorausschau genauer eingegangen.

Abb. 1: Zweck der Delphi-Methode

Mittels Fragebögen werden die vorab ausgewählten Experten über ihre Einschätzung zu einem Sachverhalt befragt. Die abgegebenen Antworten werden ausgewertet und als Basis für eine weitere Befragungsrunde zusammengefasst. In dieser folgenden Runde sind die Experten aufgefordert, ihre prognostizierten Aussagen zu überprüfen und die abgefragten Sachverhalte ggf. neu einzuschätzen. Bei starken Abweichungen in der Bewertung soll versucht werden, eine Begründung für eben diese außergewöhnliche Abweichung anzugeben. Nach diesem Verfahren können weitere Befragungsdurchgänge durchgeführt werden, bis eine Konvergenz der Expertenmeinungen zu beobachten ist.

Abb. 2 Prinzipieller Ablauf der Delphi-Methode

Die Delphi-Methode ermittelt durch die Aggregation von individuellem Expertenwissen eine Gruppenmeinung. Durch die anonyme Durchführung der Befragung werden die oft nachteiligen Einflüsse einer offenen Gruppendiskussion ausgeblendet. Die Delphi-Methode ist eine sehr bewährte Methode, die Meinung einer größeren Anzahl von Experten relativ kostengünstig und schnell zu ermitteln und zu konsolidieren.

Entscheidend für den Erfolg ist die jedoch die Qualität der Fragen und Thesen.
Es hat sich gezeigt, dass die Delphi-Methode besonders aussagekräftige Ergebnisse bei langfristigen und allgemeinen Fragestellungen liefert (Prognosezeitraum größer als zehn Jahre sowie breit gestreute und gesellschaftliche Fragestellungen).

In der erwünschten Annäherung der Expertenmeinungen durch die mehrmalige Wiederholung der Befragungsrunden ist gleichzeitig auch eine gewisse Problematik bei Delphi-Prognosen zu sehen. Durchaus wertvolle, jedoch von einer konvergenten Expertenmeinung deutlich abweichende Einzeleinschätzungen werden in dem mehrstufigen Annäherungsprozess ausgeblendet.

Die Expertenwahlbeeinflusst das Ergebnis. Zudem kann die Experten-Community dazu neigen "im eigenen Saft zu schmoren", also das wiederzugeben, was eben derzeit die geltende Meinung ist. Dadurch kommt es eventuell nicht wirklich zu neuen Erkenntnissen. Abhilfe schafft hier das bewusste Einbeziehen von „Querdenkern“, deren Meinung häufig nachdenklich stimmt. Selbstredend müssen deren Äußerungen explizit und anonym in der Auswertung der ersten Runde enthalten sein.

Zudem ist diese Methode, gerade auch durch den mehrmaligen Befragungsprozess, sehr zeitaufwendig.

  • Häder, Michael: Delphi-Befragungen. Westdeutscher Verlag, 2002
  • Häder, Sabine & Michael: Die Delphi-Technik in den Sozialwissenschaften. Westdeutscher Verlag, 2000
  • Daenzer, W. F., Büchel, A.: Systems Engineering. Verlag f. ind. Organisation, Zürich, 2002
  • Gausemeier, J.; Plass, C.: Zukunftsorientierte Unternehmensgestaltung, 2., überarbeitete Auflage, Hanser Verlag, 2014

Eingangsinformationen

    • Fragenkatalog
    • Expertengruppe

      Ausgangsinformationen

      Konsolidiertes Meinungsbild der Experten

      • Heinz Nixdorf Institut,
        Prof. Dr.-Ing. Jürgen Gausemeier
        (http://www.hni.uni-paderborn.de/spe)
      • Lehrstuhl für Produktentwicklung, Prof. Dr.-Ing. Udo Lindemann (http://www.pe.mw.tum.de)